2026 wird aus unserer Sicht kein Jahr des großen Aufbruchs, sondern eher eines der strategischen Weichenstellungen. Neue Rahmenbedingungen machen ein Nachdenken über Investitionen in Resilienz aktueller als je zuvor. Insbesondere, wenn geopolitische Unsicherheiten und Regulierungen zunehmen. Ehe wir in unsere Prognosen für das Jahr 2026 starten, schauen wir kurz zurück: Unsere 2025-Vorhersagen zu AI-gestütztem Domain-Management (Domain-Generierung, Portfolio-Optimierung) und Compliance-Druck (NIS2-Vorbereitung) haben sich bestätigt. Der Markt hat sich weiter gut entwickelt, die neuen gTLDs sind um 21% gewachsen, und insbesondere bei Startups beliebt.
1. ICANN gTLD-Bewerbungsrunde 2026 dominiert die Agenda
Vom 30. April bis 12. August 2026 öffnet sich nach 14 Jahren wieder das Fenster für neue TLDs. In dieser Runde erwarten wir erstmals zahlreiche Bewerbungen aus dem Blockchain- und Crypto-Bereich. Zudem rechnen wir erneut mit vielen Bewerbungen für dotBrands, und auch Bewerbungen für generische und GeoTLDs. Was die geografische Verteilung betrifft, bauen wir erneut auf ein starkes europäisches Interesse an Brand-TLDs (.marke) und GeoTLDs (.stadt, .region), ähnlich zu den 670+ Anträgen aus 2012.
2. Neue gTLDs wachsen gegenüber Legacy-TLDs nachhaltig
Wenngleich Legacy TLDs wie .com und ccTLDs wie .de und .cn wachsen, dominieren mit über 42 Mio. TLDs (2025: +21%) die neuen TLDs wie .shop, .top und .online die Wachstumsraten. Hier erwarten wir eine kontinuierliche Entwicklung auch für 2026, nicht zuletzt aufgrund der viele guten freien Domains unter den neuen TLDs. Die Ausnahme ist die ccTLD .ai, die explosionsartig gewachsen ist, und von Tech-Startups als Haupt-Domain genutzt wird. Für uns ein klarer Indikator für den Trend zu spezifischen und einprägsamen Endungen.
3. KI revolutioniert die gesamte Domain-Industrie
Generative KI hat mittlerweile in vielen Bereichen der Domainindustrie Einzug gehalten – sie unterstützt bei der Namensfindung, hilft bei der Ermittlung von Abuse-Fällen und übernimmt Portfolio-Analysen. Diese Einsatzszenarien sind nur ein erster Schritt zu mehr Automatisierung, datengetriebenen Entscheidungen und Geschäftsprozessen, bei denen KI unterstützen kann.
4. Unruhige Zeiten: Geopolitik und Regulierung
Die geopolitische Fragmentierung prägt das Internet von heute: Handelskonflikte, Sanktionen und nationale Internet-Souveränität fordern Zero-Trust-Architekturen und kontrollierbare Namensräume. EU-Regulierungen (AI Act, NIS2, DORA) verschärfen den Compliance-Druck und erfordern nachweisbare Kontrolle über Infrastruktur. Die DNS-Souveränität wird somit ein entscheidender KPI: Eigene TLDs sichern Namensräume gegen Plattform-Abhängigkeiten und staatliche Eingriffe. Droht damit ein Paradigmenwechsel von offenen Internet zu fragmentierten und individuellen Ökosystemen?
5. ccTLDs und geoTLDs gewinnen lokal
Über 144 Mio. registrierte ccTLDs (jedes Jahr +3,4%) unterstreichen die fortgesetzte Relevanz in ihren jeweiligen Märkten. Unter den ccTLDs bleibt beispielsweise .de stabil, während .ai explodiert. GeoTLDs wie .hamburg, .berlin und .bayern halten sich stabil, nicht zuletzt, weil sie regionale Identitäten stärken. Positive Effekte auf lokales SEO, Relevanz für GEO und ein sympathischer Vertrauensanker machen sie zur ersten Wahl für KMUs in der Region.
Fazit
2026 trennt Strategen von „weiter so“, denn nationale und globale Entwicklungen erfordern ein Umdenken, auch für die IT. Die fortgesetzte Regulierung erzwingt Souveränität, für beide Handlungsfelder schafft die gTLD-Bewerbungsrunde 2026 neue Optionen. Wer jetzt Namensräume, Sicherheit und Governance zusammendenkt, gewinnt langfristig an Unabhängigkeit.






