Vom 17. bis 22. Oktober 2026 fand das 87. ICANN-Meeting auf Bali, Indonesien, statt. Beim Annual General Meeting (AGM) der ICANN-Community waren zentrale Themen die Evaluation der eingegangenen Bewerbungen, der strukturierte Umgang mit DNS-Missbrauch sowie die Förderung mehrsprachiger Skripte. Von ICANN87 in Bali gehen wichtige Impulse für die gTLD-Runde 2026, die Domain-Sicherheit und die künftige Internetverwaltung aus mit den folgenden Schwerpunkten.
Nächste Schritte bei den gTLD-Bewerbungen
ICANN hat in zahlreichen Sessions die weiteren Schritte bei der Evaluation der 1.615 eingegangenen gTLD-Bewerbungen erläutert. Der administrative Check und der Reveal Day am 7. Oktober sind abgeschlossen. Seitdem sind die öffentlichen Teile der Bewerbungen sowie erste Contention Sets auf der APS-Website abrufbar.
In der Replacement Period vom 8. bis 21. Oktober konnten Bewerber zwischen ihrem ursprünglichen und einem Ersatzstring wählen. Am String Confirmation Day am 17. November 2026 werden die finalen Strings und die aktualisierten Contention Sets veröffentlicht. Zugleich beginnt die Objection Phase, in der Kommentare und Einwände eingereicht werden können, sowie die eigentliche Evaluation der beantragten TLDs.
Die optionale Teilnahme am Prioritization Draw entscheidet über die spätere Reihenfolge der Evaluation. Er soll in der ersten Hälfte 2027 als virtuelle Veranstaltung stattfinden; die Teilnahme kostet 100 US-Dollar pro Ticket. Die Prioritätsnummer ist weder änderbar noch übertragbar.
Regierungskomittee GAC mit deutlichem Gewicht
Das Governmental Advisory Committee (GAC) wählte Ian Sheldon wurde als neuer Vorsitzender bis zum Ende des ICANN90 im Oktober 2027 und Thiago Dal-Toe zum neuen Vize-Vorsitzenden.
Zur gTLD-Runde 2026 betonte das GAC die Relevanz sorgfältiger Safeguard Assessments, aus denen durchsetzbare Public Interest Commitments entstehen können. Zudem kündigte es an, das Instrument „Early Warnings“ und „Consensus Advice“ sorgfältig zu prüfen.
Beim Thema DNS-Missbrauch forderte das GAC, die Policy zu Associated Domain Checks (PDP1) einzuführen, bevor neue gTLD-Strings in das DNS aufgenommen werden. Außerdem verlangte es mehr Transparenz über die Einhaltung der DNS-Abuse-Pflichten durch Registries und Registrare sowie eine Prüfung der Registrierungsdaten, bevor eine neue Domain im DNS auflöst.
Strukturierter Umgang mit DNS-Missbrauch
Ein weiterer Schwerpunkt des Meetings war der Umgang mit DNS-Missbrauch. Im Mittelpunkt standen die beiden Policy-Prozesse PDP1 und PDP2 der GNSO-Community. Den Auftakt machten Praxisberichte aus Indonesien und Japan zu Domains für Online-Glücksspiel sowie zu gefälschten Registrierungsdaten.
Die Compliance-Abteilung von ICANN meldete seit Inkrafttreten der neuen DNS-Abuse-Pflichten im April 2024 über 650 Untersuchungen. In gut zwei Dritteln der abgeschlossenen Fälle konnte der Missbrauch gestoppt werden. Hinzu kamen acht Verfahren wegen fortgesetzter Verstöße, mehr als 70 Pläne zur Behebung von Missbrauch sowie ein Kündigungsverfahren gegen einen Registrar.
Zum PDP1 liegt ein Initial Report mit acht Empfehlungen vor. Das GAC unterstützt ihn weitgehend; überarbeitete Empfehlungen werden im November erwartet. Während das GAC einen technologieneutralen Ansatz und Identitätsprüfungen fordert, verlangt die NCSG klare Definitionen, eine saubere Trennung von Identifikation, Prüfung und Maßnahme sowie Rechtsmittel für betroffene Registranten.
PDP2 wird sich mit dem Zugang zu Massenregistrierungs-APIs beschäftigen. Die entsprechende Arbeitsgruppe befindet sich derzeit noch in der frühen Chartering-Phase.
Fazit von ICANN87 in Bali
ICANN87 hat gezeigt, dass die neue gTLD-Runde nun in eine entscheidende Phase eintritt: Nach dem Reveal Day folgt nun die Evaluation der eingereichten TLD-Bewerbungen. Zugleich wird deutlich, dass Fragen von Sicherheit, Governance und DNS-Missbrauch künftig noch stärker mit der Einführung neuer TLDs verknüpft werden.
Das nächste ICANN-Meeting, ICANN88, findet vom 13. bis 18. März 2027 in Lissabon statt.
