Unsere Prognosen für 2019

Prognosen für 2019

Unsere Prognosen für das Jahr 2018 sind weitgehend so eingetreten, wie erwartet. Wichtigster Punkt war dabei sicherlich die nachhaltigen Auswirkungen der Datenschutzgrundverordnung für unsere Industrie in Form des stark reduzierten WHOIS und damit verbunden der deutlich verbesserte Schutz personenbezogener Daten. Zeit, nun einen Blick auf das Jahr 2019 und seine Perspektiven zu werfen.

1.    Auswirkungen der Datenschutzgrundverordnung bleibt weiter offen

Das Jahr 2018 stand bei ICANN ganz im Zeichen der bevorstehenden Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die seit Mai 2018 durchgesetzt wird. Im Fokus stand dabei die Erarbeitung von Richtlinien, die die temporären Regeln im Mai 2019 ablösen sollen. Die derzeit laufenden Debatten, wie die Domain-Industrie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO, englisch GDPR) umsetzt, werden daher sicherlich einen großen Teil des Jahres 2019 einnehmen. Insbesondere ist zu klären, welche Richtlinien künftig Grundlage für Domain-Registrierungen und die öffentliche Anzeige der Inhaberdaten sein werden. Denn die derzeitige temporäre Lösung – also eine Reduzierung des WHOIS auf nicht-personenbezogene Daten – basiert auf einem Beschluss von ICANN, aber nicht auf einem Richtlinien-Entwicklungsprozess durch die weltweite Community. Dieser läuft bis Mai 2019 mit unklarem Ausgang. ICANN ist dabei Spielball zwischen den Interessen der amerikanischen IP-Lobby mit weitreichenden Forderungen, was die Veröffentlichung und Nutzung personenbezogener Daten angeht und der EU-Verwaltung mit ihrer sehr restriktiven Haltung. Am Ende wird es allerdings eine Lösung geben müssen, die rechtskonform ist, auch wenn nicht alle Interessen gleichermaßen berücksichtigt werden können. Daher erwarten wir, dass sich die Europäische Verwaltung durchsetzen wird.

2.    Mehr Marken und Unternehmen nutzen ihre .marke aktiv

Die Nutzung der eigenen Top-Level-Domain, die identisch ist mit Unternehmensnamen, Marken oder Produkten, ist in 2018 weiter gestiegen. Auch wenn noch nicht alle knapp 700 Unternehmen weltweit ihre .marke-Endungen für Marketing- und Kommunikationszwecke nutzen, wurden im Jahr 2018 eine Reihe bekannter .marke-Top-Level-Domains aktiv genutzt. Canon richtete beispielsweise die Umstellung auf die E-Mail-Adressen @mail.canon für alle Mitarbeiter weltweit ein und der französische Bahnkonzern SNCF ist seit kurzem unter www.oui.sncf erreichbar.

Wir erwarten, dass diese Beispiele auch in diesem Jahr weitere Marken dazu veranlassen werden, selbst mit eigenen Kampagnen, Webprojekten und neuen Landing Pages auf sich aufmerksam zu machen.

3.    Registrierungen unter den neuen Top-Level-Domains steigen

Laut www.ntldstats.com sind im Jahr 2018 die Registrierungen unter allen neuen Top-Level-Domains um drei Millionen auf einen Jahresendstand von ca. 26,8 Millionen Domains gestiegen. Die Registrierungen ergeben sich aus den 1.212 neuen Top-Level-Domains, von denen zum Jahresende 2018 die TLDs .top, .xyz, .loan, .club und .online zu den TOP 5 gehörten. Etwa 49 Prozent der registrierten Domains sind in Nutzung. Wir erwarten für 2019, dass sich der solide Aufwärtstrend weiter fortsetzt und neben den geografischen insbesondere sprechende Top-Level-Domains wie .club, .shop und .app beliebt sind.

4.    Verlangsamtes Wachstum bei Länder-Endungen und generischen Endungen

Der Verisign Domain Name Industry Brief vom dritten Quartal 2018 macht deutlich, dass die älteren Top-Level-Domains wie .com, .net, .org und .info sowie die Länderendungen seit Einführung der neuen generischen Endungen langsamer wachsen. So weisen zwar .com und .net ein stabiles Wachstum von gut fünf Millionen Domains von 2017 auf 2018 (insgesamt auf 151,7 Mio.) auf, was einen jährlichen Zuwachs von knapp vier Prozent gegenüber 2017 darstellt − bei den Länder-Endungen sieht es hingegen nicht ganz so positiv aus: Die Domain-Registrierungen unter allen Länder-Endungen (ccTLD) betrugen rund 149,3 Millionen, was einem Wachstum von nur drei Prozent entspricht. Im Vergleich zu den Vorjahren war das Wachstum mit 4,3 Prozent im Jahr 2017 und 5,2 Prozent im Jahr 2016 noch höher ausgefallen.

Wir erwarten, dass sich diese Trends auch in diesem Jahr weiter fortsetzen, da einerseits die Preise unter den älteren Top-Level-Domains weiter anziehen und andererseits gerade unter den neuen Top-Level-Domains viele intuitive Adressen noch frei sind.

5.    Missbrauchsfälle überwiegend unter .com, .net, .org und .info

Die Anzahl von Missbrauchsfällen von Markenrechten unter Domain-Registrierungen ist laut WIPO im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen. Die 3.073 WIPO-Fälle im Jahr 2017 sind 2018 auf 3.446 Fälle angewachsen. Dabei ist .com für das größte Wachstum an Streitigkeiten verantwortlich: 2018 stieg die Fallzahl auf 73, während .com-Domains im Vorjahr nur gut 70 Prozent aller Fälle betrafen. An zweiter Stelle steht .net gefolgt von .org-Domains und .info-Domains. Erst danach folgt mit 1,5 Prozent aller Fälle .online.
Wir erwarten, dass die Anzahl der Klagen bei den neuen Top-Level-Domains weiter stabil bleibt und Domain-Missbrauch weiterhin überwiegend unter den alten Top-Level-Domains wie .com stattfindet. Denn die Anzahl registrierter Adressen unter den alten Top-Level-Domains ist immer noch deutlich größer als die Anzahl registrierter Adressen unter den neuen Top-Level-Domains. Zudem ziehen die im Schnitt günstigeren Preise der alten Top-Level-Domains eher Spekulanten an.

6.    Konsolidierung in der Branche wird weitergehen

Die Branche hat sich auch im Jahr 2018 weiter konsolidiert, sowohl was die Betreiber von Top-Level-Domains als auch ihre Vertriebspartner betrifft. Unter anderem hat Com Laude den Registrar Demys gekauft, Minds&Machines den Betreiber von .xxx, .sex und .porn, ICM Registry; Donuts wurde von der Investmentgesellschaft Abry Partners übernommen und Key-Systems von der britischen Centralnic. Wir erwarten, dass sich diese Dynamik auch 2019 weiter fortsetzt und gehen daher von weiteren Konsolidierungen aus.

7.    ICANN gibt grünes Licht für neue Bewerbungsrunde

Die Entwicklung der Rahmenbedingungen für die nächste Bewerbungsrunde hat große Fortschritte gemacht. Alle Arbeitsgruppen haben ihre Analysen veröffentlicht, 2019 werden nach derzeit laufenden Analysen der eingegangenen Kommentare die finalen Berichte erwartet. Wir sind aktives Mitglied dieser Debatten und erwarten, dass die ICANN-Direktoren in diesem Jahr grünes Licht und damit den Auftrag für die konkrete Ausgestaltung der nächsten Bewerbungsrunde geben werden.

8.    Globale Debatte um Internet Governance gewinnt an Bedeutung

In den vergangenen Jahren haben wir erlebt, dass die Ausgestaltung der Internet Governance zunehmend Thema auf politischer und wirtschaftlicher Ebene ist, in Deutschland u. a. mit den Diskussionen rund um die Datenschutzgrundverordnung und auf globaler Ebene mit der Debatte um die Zuständigkeit. Daher erwarten wir, dass nicht zuletzt durch internationale Akteure das Thema auch im Jahr 2019 kontrovers diskutiert werden wird. Die Vorbereitungen von Deutschland als Gastgeber des globalen Internet Governance Forums im Herbst 2019 in Berlin ist eine gute Gelegenheit, unser demokratisches und liberales Verständnis von Internet Governance in die Gestaltung des Programms einfließen zu lassen.

9.    Multistakeholder-Konzept in deutscher Internet-Community verankert

Das Multistakeholder-Konzept – also die Beteiligung von Wirtschaft, Politik und Bürgern an Entscheidungsprozessen - ist in Deutschland (wie auch in anderen Ländern) auch in der Politik angekommen und wird genutzt, um Informationen auszutauschen und Entscheidungen informierter und besser vorzubereiten.

Daher erwarten wir, dass die Umsetzung des Multistakeholder-Konzeptes in Europa weiter zunehmen wird, um in Regierungsgremien das Wissen, die Ressourcen und das Engagement nicht-staatlicher Akteure einzubringen und somit Entscheidungen auf eine breitere Basis zu stellen. Nicht zuletzt trägt die weltweite Vernetzung der Akteure und die daraus entstehende Dynamik zur Stabilität und Verlässlichkeit des Internet-Governance-Ökosystems bei.