Deutschland ist weltweiter Vorreiter bei der Digitalisierung von Städten, Bundesländern und Regionen

Weltkarte geoTLDs

Die digitale Kommunikationsinfrastruktur für digitale Bürgerdienste basiert heute wie auch in der absehbaren Zukunft auf Internetadressen und IP-Adressen. Ohne Internetadressen wie www.hannover.de oder www.land.nrw funktioniert keine elektronische Kommunikation per E-Mail und Webseiten gäbe es erst gar nicht.

Die maßgeblich von der Privatwirtschaft betriebenen Internetadressen sind damit Bestandteil der kritischen Infrastruktur für jede Behördenkommunikation, so wie Strom oder Glasfaserkabel. Das den Internetadressen zugrundeliegende, so genannte DNS (Domänen-Namen-System) hat sich seit über 30 Jahren als äußerst robust herausgestellt und ist durch ständige Weiterentwicklung der weltweiten Internet-Community überaus zukunftsfähig.

Berlin ist Vorreiter bei der Internet-Adressierung

Bestandteil dieser Weiterentwicklung ist die Erweiterung der Internetadressen über Länderendungen wie .de hinaus, hin zu lokal verorteten Endungen mit den Namen von Städten, Bundesländern und Regionen. Weltweit war .berlin die erste Internet-Endung für die Bürger, Unternehmen und Verwaltung einer Stadt und stieß damit eine Entwicklung an, der bislang über 40 Metropolen und rund 20 Regionen und Bundesländer folgten. Viele weitere Gebietskörperschaften werden nach Einschätzung der Internet-Verwaltungsorganisation ICANN folgen.

Deutschland ist weltweiter Marktführer

In dieser nachhaltigen Entwicklung ist Deutschland bislang Marktführer. Kein Land der Welt hat heute mehr lokale, sogenannte Top-Level-Domains. Mit .berlin, .hamburg sowie .koeln und .cologne gibt es vier städtische Endungen. In Bayern, NRW und dem Saarland werden gleichnamige Endungen für das jeweilige Bundesland betrieben und .ruhr ist eine regionale Endung für einen Metropolenraum. Von Verwaltungen werden diese Endungen allerdings noch nicht genügend angenommen.

Bürger wollen kurze, verständliche Internetadressen

Der Raum an verfügbaren Internetadressen innerhalb einer Stadt ist begrenzt. In der Regel betreibt eine Stadt eine zentrale Adresse wie hamburg.de. Unter dieser drängeln sich teilweise mittlerweile Millionen Dokumente, deren Adressierung Internetadressen nach sich zieht, die über zwei Zeilen Text laufen und so lang sind, dass sie von der Browserzeile gar nicht mehr komplett angezeigt werden können. Solche Internetadressen sind von Bürgern weder intuitiv verständlich noch gewünscht, wie eine repräsentative Studie des deutschen Internetverbandes eco e.V. zeigt. So bevorzugen 43 Prozent der befragten Internetnutzer eine kurze und beschreibende Adresse wie www.fundbüro.hannover. Die tatsächlich von der Verwaltung kommunizierte Adresse –  www.hannover.de/de/aemter/bereiche/buerger/fundbuero  ̶  stieß bei nur 1,4 Prozent der Befragten auf Zustimmung.

Dass die Adressierung von e-Government-Angeboten und die damit einhergehende Auffindbarkeit durch Suchmaschinen einer der wichtigsten Punkte bei der Akzeptanz von digitalen Bürgerdiensten ist, zeigt die jüngst veröffentlichte Studie der Initiative D21.Ein ganzes Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema „Zugang zu den Verwaltungsangeboten“ und lässt die Internetauftritte deutscher Verwaltungen in keinem guten Licht erscheinen:

Inzwischen sind die Internetseiten der Verwaltung in Deutschland und der Schweiz fast das häufigste Informationsmedium zu Online-Behördendiensten, in Österreich sind sie deutlich weniger relevant. Auch Suchmaschinen, wie beispielsweise Google, sind eine weitere wichtige Informationsquelle für digitale Verwaltungsangebote. Nicht zu finden, was man sucht, ist eine der größten Nutzungsbarrieren. Daher sind intelligente Suchmechanismen und ein verständliches Vokabular jenseits der Amtssprache unerlässlich, damit vorhandene Online-Bürgerdienste auch gefunden werden können.

  • Die Internetseiten der Verwaltung werden in Deutschland bereits genauso oft als Ausgangspunkt der Online-Suche genutzt wie die gängigen Suchmaschinen.
  • Jüngere beginnen ihre Suche nach digitalen Verwaltungsangeboten häufig bei Suchmaschinen, Ältere bevorzugen die Internetseiten der Verwaltung.

Daher sind intelligente Suchmechanismen und ein verständliches Vokabular jenseits der Amtssprache unerlässlich, damit vorhandene Online-Bürgerdienste auch gefunden werden können.

Die Experten des Onlinemediums E-Government-Computing formulieren das Ergebnis der Studie mit den Worten „eGovernment kommt nicht in der Bevölkerung an“. Die Zufriedenheit mit den Diensten nimmt demnach deutlich ab. Besorgniserregend ist zudem, dass die Nutzung des E-Government in Deutschland gegenüber Österreich und der Schweiz immer weiter zurückfällt.

Die Studie E-Government Monitor 2017 wurde vom Marktforschungsunternehmen Kantar TNS durchgeführt und liefert seit 2012 jährlich einen umfassenden Überblick zur Nutzung und Akzeptanz digitaler Bürgerdienste in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Intuitive Internetadressen wären ein guter Startpunkt

Aus der D21-Studie lässt sich eindeutig ableiten, wie wichtig die Adressierung von digitalen Verwaltungsangeboten ist, um den Bürgern eine Suche danach so einfach wie möglich zu machen. Wenn Bürger sich die Internetadressen von Verwaltungsangeboten sogar intuitiv merken könnten –beispielsweise www.gewerbeanmeldung.kiel, www.perso.stuttgart oder www.umzug.dresden – dann wäre schon viel gewonnen und die Nutzung sicher deutlich erhöht. Die am häufigsten angefragten Verwaltungsdienstleistungen sind übrigens:

  • KFZ-Zulassung
  • Müllabfuhrkalender
  • Fundbüro
  • Eheschließung
  • Hundesteuer
  • Elterngeld
  • Anmeldung und Ummeldung
  • Personalausweis

Zudem listet Google Internetadressen mit lokalen Endungen von Städten, Bundesländern und Regionen besser als gleichnamige mit einer .de- oder-.com Endung, wie eine Studie der Suchmaschinenexperten von Searchmetrics zeigt. Das ist sicherlich ein sehr starkes Argument, denn die D21-Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Suchen nach Verwaltungsangeboten in Suchmaschinen starten.